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Umgang mit mentalen Krisen bei jungen Menschen in pädagogischen Settings
Kurzbeschreibung
Mentale Krisen bei Kindern und Jugendlichen nehmen spürbar zu. Mit unserem Pilotprojekt zum Umgang mit mentalen Krisen bei jungen Menschen entwickeln und erproben wir eine praxisnahe Qualifzierungsreihe, die pädagogische Fachkräfte befähigt, auftretende mentale Krisen frühzeitig zu erkennen, angemessen darauf zu reagieren und junge Menschen professionell zu begleiten.
Hintergrund: Mentale Krisen gehören irgendwie zum Leben dazu
Sind wir mal ehrlich: Wir alle haben oder hatten irgendwann mal in unserem Leben eine mentale Krise. In unsicheren Zeiten, wie wir sie aktuell mit Blick auf die politische Lage, Kriege, Klimawandel, soziale Ängste usw. vielfach erleben, ist es nicht ungewöhnlich, dass auch Kinder und Jugendliche an einen Punkt in ihrem Leben kommen, der sie emotional oder mental so sehr überfordert, dass sie keinen Weg sehen, damit umzugehen und in eine mentale Krise rutschen. Dies kann sich vielfältig äußern, z.B. in Antriebslosigkeit und Verzweiflung, Depressionen, Suchtverhalten, Psychosen oder Angststörungen und auch in selbstverletzendem Verhalten bis hin zu Suizid(gedanken).
Wenn wir in unserem Arbeitsalltag jungen Menschen begegnen, bei denen wir auffällige Verhaltens- oder Wesensänderungen wahrnehmen oder sie offen äußern, dass es ihnen nicht gut geht, können dies Anzeichen einer mentalen Krise sein. Oftmals lösen diese Begegnungen bei uns als pädagogische Fachkräften zwei Gedanken aus:
Zum einen möchten wir aus unserem Selbstverständnis als pädagogische Fachkraft heraus sehr gerne helfen, zum anderen haben wir aber Angst vor Fehlern und eigener Überforderung, da wir ja keine therapeutische Ausbildung haben und uns nicht ausreichend vorbereitet für eine professionelle Unterstützung fühlen.
Ziel des Projekts: Ins Handeln kommen
Warnehmen, Ernstnehmen, Reagieren
Ziel der modularen Qualifizierungsreihe ist es, pädagogischen Fachkräften Handlungssicherheit für „Mentale Erste Hilfe“ zu geben. Wir wollen die eigene Rolle stärken, Ängste reduzieren, Anregungen und Impulse geben, Aufmerksamkeit schärfen und dazu ermutigen, achtsam und offen in die Kommunikation mit jungen Menschen zu gehen.
Hierzu ist der erste Schritt gleich der Wichtigste: Ich muss wahrnehmen und erkennen, ob bzw. dass sich ein junger Mensch in einer mentalen Krise befinden könnte. Ich benötige also eine gewisse Achtsamkeit für Warnsignale und Anzeichen für mentale Krisen. Um dazu dann gut mit dem jungen Menschen in Kontakt zu kommen, muss ich mir meine Haltung bewusst machen – einerseits zu der Krise und andererseits zu dem jungen Menschen. Gelingt mir das und habe ich eine Idee, wie ich in ein Gespräch einsteigen und auf Basis unserer bestehenden Bindung das Eis brechen kann, habe ich es schon fast geschafft und kann alle weiteren Schritte weitere aus meiner pädagogischen Rolle heraus gemeinsam mit dem jungen Menschen besprechen.
An wen richtet sich das Projekt
Das Angebot richtet sich an alle pädagogischen Fachkräfte in:
- Schule
- Offener Kinder- und Jugendarbeit
- Ausbildung und Ausbildungsvorbereitung
- weitere schulische und außerschulische Settings
5 Module auf dem Weg zur Ersten Hilfe bei mentalen Krisen
- Mentale Krisen erkennen (digital, 3 Std.)
Grundlagen aus Entwicklungspsychologie und Gesundheitsverständnis sowie Wissen über Warnsignale und Verhaltensänderungen, die auf mentale Krisen hinweisen können. Fokus: Wahrnehmen, Einordnen und verantwortungsvoll handeln. - Ins Gespräch kommen (digital,3 Std.)
Wie spreche ich junge Menschen an, wenn es ihnen nicht gut geht? Vermittlung von Sicherheit für Gesprächsvorbereitung, Einstieg, Setting und Gestaltung inklusive sensibler Kommunikation über Suizidgedanken. - Chancen erkennen und Grenzen setzen (digital, 3 Std.)
Klärung der eigenen Rolle als pädagogische Fachkräft, rechtliche Rahmenbedingnugen und professionelle Abgrenzung. Förderung von Resilienz bei jungen Menschen und Erkennen der Grenzen pädagogischer Begleitung sowie Weitervermittlung an Hilfesysteme. - Gespräche gestalten (analog, 6 Std.)
Praxisorientiertes Training durch Rollenspiele, Fallarbeit, kollegiale Beratung, aktives Zuhören und Wahrnehmungsübungen. Ziel ist es, Gesprächssituationen sicher und empathisch zu gestalten. - Mentale Gesundheit stärken (analog, 6 Std.)
Resilienzförderung als Teil guter pädagogischer Arbeit: Methoden, stärkende Settings, Bedeutung des Sozialraums und konkrete Impulse zur Prävention mentaler Krisen.
Ein professionelles Setting für professionelle Hilfe
Der Umgang mit mentalen Krisen ist ein komplexes Thema und braucht Zeit und Auseinandersetzung. Aus diesem Grund wurden die Module in Zusammenarbeit von Pädagog:innen und Therapeut:innen entwickelt. Sie werden von Pädagog:innen mit Beratungserfahrung bzw. von Therapeut:innen mit Praxiserfahrung (nach Möglichkeit in einem Tandem) in einer festen Teilnehmendengruppe umgesetzt.
