Immer online, immer erreichbar?! Smartphones & Co. bei Jugendreisen
 

Sinnvoller Umgang mit mobilen Endgeräten und sozialen Medien bei Kinder- und Jugendreisen

 

Theresa Stiens

 

Soziale Medien und der Einsatz von mobilen Endgeräten (wie z.B. Smartphones) gehören in der heutigen Zeit zum Alltag von Kindern und Jugendlichen dazu. Veranstalter müssen sich dieser Thematik stellen und einen Weg finden, wie sie damit umgehen. Die mobilen Endgeräte bieten nicht nur Herausforderungen und Gefahren, sondern auch Chancen, die es herauszustellen und zu nutzen gilt. Aktuell gibt es bei verschiedenen Veranstaltern und Trägern sehr unterschiedliche Regularien im Umgang mit Smartphones o.Ä. während Programmen. Die (Nicht-) Akzeptanz des offenen Umgangs mit diesen Geräten wirkt an vielen Stellen zufällig und wenig reflektiert. Auch bei den Teamern und Teamerinnen gibt es sehr konträre Einstellungen zum Umgang und Einsatz von mobilen Endgeräten.

 

Bei der TiB-Projektschmiede 2014 entwickelte ein Team aus Verantwortlichen des pädagogischen Kinder- und Jugendreisens das Projekt „Sinnvoller Umgang mit mobilen Endgeräten und sozialen Medien bei Kinder- und Jugendreisen". Erste Einblicke in die verschiedenen Umgangsformen lieferten die Befragungen von Konzeptverantwortlichen, Teamenden und Jugendlichen sowie eine Sammlung von Beispielen guter Praxis. Welche konkreten Erfahrungen es gibt, welche Fallstricke und Herausforderungen auftreten und für welche Fragestellungen es (noch keine) Lösungen gibt, wurde im Rahmen einer Fachtagung in einem trägerübergreifenden Erfahrungsaustausch diskutiert. Die Ergebnisse der Fachtagung kombiniert mit weiterführenden Hintergründen, Tipps und Praxisbeispielen sollen in einer Handreichung zusammengefasst und Personen aus dem Bereich des Kinder- und Jugendreisens sowie der internationalen Jugendarbeit zur Verfügung gestellt werden.

Die Fachtagung zum sinnvollen Umgang mit sozialen Medien bei Kinder- und Jugendreisen bot unterschiedlichen Expertinnen und Experten aus der Praxis eine Plattform, um von ihren Projekten und Arbeitsweisen zu berichten und diesbezüglich Möglichkeiten aufzuzeigen. Der folgende Text gibt erste Einblicke in die Ergebnisse der Veranstalter- und Teamendenbefragung sowie in die von der Fachtagung ausgehenden Impulse.

 

Ergebnisse der Veranstalterbefragung

 

An der Online-Umfrage für Veranstalter nahmen insgesamt 55
Personen teil. Die Umfrage beschäftigte sich mit den Nutzungsregularien von
mobilen Endgeräten auf Kinder- und Jugendreisen und hatte zum Ziel, einen
aktuellen Überblick über die Umgangsformen und die Zufriedenheit anhand von Praxisbeispielen aus der Szene zu geben.

 

Die Frage, ob es in der eigenen Organisation Nutzungsregularien für den Umgang mit mobilen Endgeräten gibt, bejahten 50% der teilnehmenden Veranstalter. Sowohl ein striktes Handyverbot als auch die aktive(n) Einbindung des Handys in die Programme sowie die sogenannten „Handyzeiten" befinden sich bereits in den bestehenden Nutzungsregularien. Veranstalter, die keine Regularien verwenden, beschrieben, dass sich „das Problem" auf ihren Reisen erfahrungsgemäß von selbst löse.

 

64% der Befragten gaben an, zufrieden mit ihren Nutzungsregularien zu sein. Trotzdem wollen sich dreiviertel der Veranstalter weiter mit diesem Thema befassen und für die Hälfte der Befragten spielt der Umgang mit mobilen Endgeräten eine große Rolle. Knapp 30% der befragten Teilnehmer binden mobile Endgeräte aktiv in ihre Programmgestaltung mit ein.

Die zuletzt genannten Veranstalter sind zufrieden, da…

…"die Kinder ohne Medien viel entspannter sind, dies fehlt den Kindern auch nicht."

…"eine Woche ohne Handy auch mal ganz gut ist."

…"klare, transparente Regeln für Trainer, Kinder & Eltern wenig Stress bedeuten."

…"die Regelungen eine Art Kompromiss darstellen."

 

Seitens der mit den Nutzungsregularien unzufriedenen Veranstalter gab es folgende Antworten: „… ein Handyverbot ist heute nicht mehr zeitgemäß, da die Handys für die Teilnehmer zugleich auch Musikabspielgerät, Fotoapparat u.v.m. sind" oder „…es wenig praxistauglich ist. Die Teilnehmer sind kompetenter als das, was die Regularien abbilden."

Große Unsicherheit besteht den Umfrageergebnissen zufolge hinsichtlich der Rechtslage. Zudem äußerten die Verantwortlichen den Wunsch nach fachlichem Input für Teamer und Teamerinnen.

 

Ergebnisse der Teamer- und Teamerinnenbefragung

 

Eine Befragung von 307 Teamenden sollte eruieren, ob Nutzungsregularien bekannt sind bzw. vorliegen, ob diese sich als sinnvoll erweisen und
umgesetzt werden, und wie diese Umsetzung in der Praxis aussieht.

60% der Befragten gaben an, keine Nutzungsregularien in ihrer Organisation zu haben oder sie nicht zu kennen – verglichen mit den Antworten der Personalverantwortlichen immerhin 10% mehr. Sind die Regularien bekannt, so können sie 90% der Teilnehmenden umsetzen. Ein Viertel der Befragten bindet mobile Endgeräte in die eigenen Programme ein. Als Beispiele für diese Einbindungen wurden inhaltliche Fotoworkshops, GeoCaching, Whats-App-Gruppen als Planungsinstrument, Recherchen u.v.m. genannt. Außerdem spielte die Sicherheit durch das Smartphone als Einsatz im Notfall eine wichtige Rolle bei den Umfrageteilnehmenden.

Neben den Nutzungsregularien wurden die Teamer und Teamerinnen auch zum  Konfliktpotenzial durch Smartphones und Co. bei Kindern und Jugendlichen befragt. Hierbei gaben gut 40% der Befragten an, dass es durch Smartphones und Co. häufiger zu Konflikten zwischen den Teilnehmenden komme. Für diese Konflikte wurden unterschiedliche Gründe genannt: Neid, Heimweh, Cyber-Mobbing, unerlaubte Fotographien und Verweigerung der Programme.

 

Gleichzeitig sehen 60% der Teamenden auch große Vorteile in der Nutzung von Smartphones und Co und gaben an, dadurch eine einfachere Kommunikation unter den Teilnehmenden erfahren zu haben, den bewussteren Umgang mit dem Smartphone zu fördern und Apps für
Bildungszwecke zu verwenden. Außerdem könne die Planung oder Handlung in spontanen Situationen verbessert werden, das Einholen des Feedbacks der Kinder und Jugendlichen sei einfacher und insgesamt werde das Angebot niedrigschwelliger.

 

Es bleibt festzuhalten, dass es bereits viele Träger gibt, die mobile Endgeräte gezielt nutzen und gelungene Beispiele für die praktische Durchführunganbieten. Sowohl diejenigen, die noch keine eigene Meinung zu diesem Thema entwickelt haben oder unsicher bei der Anwendung ihrer Nutzungsregularien sind als auch diejenigen, die noch keine Regularien für den Umgang mit sozialen Medien erarbeiteten, wünschen sich mehr Information zu diesem Thema. Zusätzliches Wissen und praktische Tipps werden benötigt, um Smartphones in die pädagogische Programmgestaltung mit aufnehmen zu können.

 

Eindrücke der Fachtagung
 
Wie sieht der mediale Alltag von Kindern und Jugendlichen heute aus?

 

Kinder früher – Kinder heute: Daniel Heinz, Mitarbeiter der Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW (fjmk), stellte diesen Vergleich an den Beginn seines Vortrags. Im Mittelpunkt stand das Smartphone, welches Medien, Spiele und Geräte von „früher" heute in sich vereint. Ob Radio, Fernseher, Schreibmaschine, Spielekiste, Straßenatlas, Taschenlampe oder das Lexikon – das Smartphone bietet alles in einem. Zudem gewinnt das Handy zunehmend an Status: Bei einer Befragung von Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren gaben 22% an, mit dem Handy am besten angeben zu können. Das Handy sicherte sich in dieser Befragung Platz eins, vor dem Fahrrad, der Playstation und der Kleidung.

Die Studie „Circuits of Cool" von MTV und Microsoft aus 2009 stellt einen Vergleich der Bedürfnisbefriedigung von Kindern und Jugendlichen aus einer Zeit, in der es noch keinen ständigen Zugang zum Internet gab und der Gegenwart her. Beispiele für die Bedürfnisbefriedigung ohne mobile Endgeräte waren früher das Treffen mit Freunden, Reisen, Tagebücher, Mode, der Sportverein und vieles mehr. Diese Bedürfnisse haben sich vor allem durch das Internet und die Möglichkeit zu dessen ständigem Zugang nicht geändert, aber sie sind wesentlich differenzierter geworden. So stellt die ständige Erreichbarkeit, die virtuelle Kommunikation und das Gefühl, nie alleine zu sein, der Studie zufolge einen Zusatz dar, der die Bedürfnisbefriedigung zu erhöhen vermag.

Über den vielen Möglichkeiten, die das Internet bietet, dürfen aber auch nicht die Gefahren vergessen werden, die es birgt. Daniel Heinz beschreibt, wie häufig Inhalte im Internet etwa Gewalt, Rassismus oder Pornographie ungeeignet für Kinder und Jugendliche sind. Auch der Kommerz kann durch Werbung und Marketing vieles versprechen was er nicht hält, täuschen und in Kostenfallen locken. Datenschutz ist ein weiteres Thema, das im Internet einen Missbrauch erfährt und nur schwierig zu durchschauen ist. Darüber hinaus können auch Kontakte zu Fremden gefährlich sein und nicht selten werden Kinder und Jugendliche Opfer von Cybermobbing. Der Unterschied zum Mobbing ist, dass die Täter anonym bleiben und die Opfer sich nicht so leicht entziehen können. Außerdem wird durch Cybermobbing und die
Möglichkeit der schnellen Verbreitung im Internet ein großes Publikum erreicht.

Mit Blick auf diese geschilderten und weiteren Risiken und Gefahren des Internets, ist die Entwicklung von Medienkompetenz trotzdem ein bedeutsamer Bestandteil der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Auch Veranstalter von Kinder- und Jugendreisen sollten sich dieser Verantwortung bewusst sein und Angebote zur Förderung von Medienkompetenz in ihren Programmen integrieren.

 

Darüber hinaus ist es unerlässlich, sich mit der Gesetzeslage diesbezüglich auszukennen. Bereits Beleidigungen und üble Nachrede im Netz sind strafbar. Ebenso wie die Verletzung der Vertraulichkeit des eigenen Wortes und des Bildes. Die aktuelle Rechtsprechung ist deshalb wesentlicher Bestandteil eines professionellen Arbeitens.

Aus dem Bereich des Strafgesetzbuches können im Zusammenhang mit Smartphones z.B. folgende Tatbestände relevant werden: Beleidigung (§ 185), Üble Nachrede (§ 186), Nachstellung (§ 238), Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen (§ 201a), Kinder- und Jugendpornografie (§§ 184b und § 184c), Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes (§ 201), Gewaltdarstellung (§ 131 [1]).

 

Aber auch andere Rechtsvorschriften sind von Bedeutung, so z.B. das Urheberrecht (bei ungenehmigter Veröffentlichung von Bildern) oder das BGB (Eigentumsrecht bei Abnahme von Smartphones durch Teamer).

Anbieter, die sich ernsthaft mit Regularien zum Umgang mit Smartphones und Co. auseinandersetzen möchten, sind gut beraten die Sachkenntnisse eines Juristen oder einer geeigneten Beratungsstelle in Anspruch zu nehmen.

 

Smartphone-Realitäten - Bericht aus dem Leben einer Jugendlichen

 

Oft wird über den Konsum des Smartphones(konsum) bei Kindern und Jugendlichen geurteilt ohne diese jedoch mit einzubeziehen. Der sinnvolle Gebrauch der Geräte birgt eine Menge gute und vorteilhafte Möglichkeiten.

Die 16-jährige Annika Schmidt berichtete bei der Tagung von den Smartphone-Realitäten aus ihrem täglichen Leben. Einerseits beschreibt sie ihre Nutzung als „klassisch": sie schreibt viel mit ihren Freunden und hört über das Handy Musik. Außerdem fotografiert sie gerne.

Allerdings klebt sie ihre Momentaufnahmen nicht in ihr Fotoalbum,
sondern teilt sie im Internet mit anderen. Das Smartphone dient ihr also zur
Veröffentlichung ihrer Kunst, die andere Leute über die App „Instagram" bewerten und wo sie ebenfalls Fotos von anderen Leuten „liken" kann.

Des Weiteren berichtete Annika von ihrer Klassenfahrt nach Istanbul und den Vorteilen, die sie und ihre Mitschüler und -schülerinnen durch die Nutzung ihrer Smartphones hatten.

Schon beim Packen des Koffers schaute Annika über eine Wetter-App nach, welche Kleidung sie für den Aufenthalt in Istanbul braucht.
Anschließend lud sie sich bereits in Deutschland Straßenkarten über eine App herunter, mit Hinweisen zu Einkaufsmöglichkeiten, Kulturangeboten und Restaurants, um sie in Istanbul auch ohne die Verbindung zum Internet nutzen zu können. Durch das freie W-LAN im Hotel konnte die Klasse zudem abends den passenden Bus in die Stadt heraussuchen. Zur Verständigung mit den Einheimischen nutzten die meisten eine Übersetzungs-App.

Annika möchte ihr Smartphone nicht missen, sie sieht viele Vorteile und nutzt es gerne. Gleichzeitg beschreibt sie, dass es sie manchmal beim Lernen stört und sie oft den Drang verspürt, immer online und erreichbar zu sein.
Trotzdem machen sie und ihre Freunde das Handy aus, wenn sie sich treffen, um ungestört reden zu können. Kinder und Jugendliche können also durchaus das Smartphone bewusst und sinnvoll nutzen, es aber auch mal bewusst zur Seite zu legen – Annika ist ein gutes Beispiel dafür.

 

Projekt 7 Tage frei

 

Sara Bäckler, Geschäftsführerin und Inhaberin von XPAD Experience + Adventure – Erlebnispädagogik stellte das im Juni 2015 durchgeführte Projekt „7 Tage frei" vor, welches XPAD zusammen mit Outdoor Oberberg e.V. für eine Woche in der Gemeinde Wiehl durchführte.

Wie der Name in diesem Zusammenhang vermuten lässt, hatte das Projekt „7 Tage frei" das Ziel, Kinder, Jugendliche und Erwachsene eine Woche von mobilen Endgeräten zu „befreien" und dadurch das Bewusstsein für ihr direktes Umfeld zu fördern und den Zwang des ständigen Online-seins für eine gewisse Zeit ablegen zu können. Unter dem Motto „Hab die Wahl. Geh offline" hatten die Bürger der Stadt Wiehl die Chance, für eine Woche Medien-Ferien zu nehmen. Dafür konnten sie ihre Smartphones, Fernbedienungen, Controler und Co. bei ihren Banken abgeben und im Tresor einschließen lassen. Die sogenannten „Helden" gaben rund 650 Geräte ab. Davon 178 Handys, 91 Controler und 64 Fernbedienungen. An dem Projekt nahmen insgesamt 361 Personen aus der Gemeinde Wiehl teil. Institutionen, Vereine und Kooperationspartner unterstützten das außergewöhnliche Vorhaben und entwickelten kreative Freizeitangebote zum Austausch und zur Begegnung für die Teilnehmenden. Auch Kinder und Jugendliche, die keine eigenen Medien besaßen, nahmen an dem Projekt teil und verzichteten auf die Nutzung fremder Geräte.

 

Entstanden ist das Projekt aus Beobachtungen des Vereins mit der Tendenz, dass Medien uns nicht nur bereichern, sondern auch ein stückweit besetzen. Das ständige Erreichbar-sein kann Stress verursachen und durchaus nützliche Apps, wie Messenger-Apps und Fitness-Apps, besetzen Bereiche unseres täglichen Lebens und beschneiden sie. XPAD und Outdoor Overberg betonten, dass durch die Teilnahme am Projekt Gemeinschaft entwickelt und Anerkennung gewonnen werden konnte. Die Teilnehmenden hatten die Chance, ihre Langeweile selbst zu besiegen und echte Freundschaften und Herausforderungen zu finden. Auch das selbstbestimmte Gestalten der eigenen Freizeit sollte vor allem den Kindern und Jugendlichen vermittelt werden. Ein reflektierter Umgang mit Medien und die bewusste Nutzung war ein Ergebnis.

 

Nach dem Projekt wurden die Teilnehmenden befragt, welchen Eindruck sie von diesem „Experiment" hatten. Die Rückmeldungen fielen sehr positiv aus. Viele Jugendliche fanden es entspannend, nicht „zugespamt" zu werden. Einige betonten, dass es zum Teil aufregend und abwechslungsreich war und dass sie ihre Freizeit sehr kreativ zu gestalten wussten.

Natürlich kam es durch die Umstellung des Alltags ohne Medien auch zu Problemen und Schwierigkeiten. So verpassten Teilnehmende beispielsweise den Bus, da sie sonst das Handy als Uhr benutzen oder bekamen Terminänderungen, die in Whats-App Gruppen besprochen wurden, nicht mit. Doch auch aus den Schwierigkeiten wurden oftmals positive Rückschlüsse gezogen, beispielsweise der Mut zur direkten Kommunikation mit Fremden durch das Erfragen von Uhrzeiten.

 

Schlussendlich resümierten die Teilnehmenden, dass sie durch das Projekt mehr Zeit im Freien verbrachten und neue Freizeitaktivitäten ausprobiert haben. Obwohl sich der Großteil freute, die Geräte wieder abholen zu dürfen, gaben einige an, das Projekt noch einmal wiederholen zu wollen.

 

Das Smartphone in der Jugendfreizeit – Möglichkeiten der Integration

 

Die Ergebnisse der Online-Befragung von Verantwortlichen und Teamenden aus dem Kinder- und Jugendreisebereich zu Nutzungsregularien von Smartphones und Co haben gezeigt, dass nur 30% der Befragten mobile Endgeräte in ihre Programme einbinden. Wie können also Möglichkeiten der Integration aussehen? Daniel Sammito-Fehling und Markus Zaum vom Bundeswehrsozialwerk gaben Antworten auf diese Frage, nachdem sie zunächst anhand der JIM-Studie 2014 einen Überblick über die Entwicklungen die sozialen Medien in der Bundesrepublik Deutschland in den letzten Jahren erläuterten:

Im Februar 2015 nutzten 46,5 Millionen Deutsche ein Smartphone, 2009 waren es noch 6,31 Millionen. Diese Zahlen machen die rasante Verbreitung von mobilen Endgeräten deutlich und lassen vermuten, dass auch viele Kinder und Jugendliche heutzutage ein Smartphone besitzen. Die JIM-Studie unterstreicht diese Vermutung und bestätigt, dass sich das Einstiegsalter immer mehr zugunsten jüngerer Kinder verschiebt und immer mehr Jugendliche über ein Smartphone verfügen. 2014 besaßen 81% aller 12-13 jährigen ein eigenes Smartphone. Im Vergleich dazu: 2012 waren es nur 28%. Der Unterschied zwischen Mädchen und Jungen ist dabei gering. Es lässt sich jedoch in jeder Altersklasse feststellen, dass die Zahlen kontinuierlich steigen. Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren besitzen sogar prozentual häufiger ein Smartphone als 18- bis 19-Jährige. 

Die Favoriten der inhaltlichen Nutzung von mobilen Endgeräten:

Musik hören, im Internet surfen und anrufen bzw. angerufen werden. Die beliebtesten und in allen Altersklassen am häufigsten genutzten Apps sind Instant-Messenger, wie zum Beispiel WhatsApp. WhatsApp wird durchschnittlich 26 Mal am Tag von Jugendlichen genutzt. Aber auch Communitiy-, Foto- und Spieleapps erfreuen sich großer Beliebtheit in dieser Zielgruppe.

Trotz der steigenden Zahlen und hohen Nutzungswerte von Messengerapps, gaben 81% der Mädchen und 77% der Jungen an, sich in ihrer non-medialen Freizeit am liebsten mit Freunden zu treffen. Auch Sport treiben gehört bei über 50% der Befragten zu den täglichen bis mehrmals wöchentlichen Aktivitäten.

 

Auf der Suche nach Lösungswegen im sinnvollen Umgang mit mobilen Endgeräten auf Kinder- und Jugendreisen gibt es folgende Überlegungen:

Zum einen die Wegnahme des Smartphones, wenn es vom Teilnehmenden während der Freizeit unerlaubt genutzt wird. Diese Möglichkeit ist rechtlich jedoch bedenklich, denn die Verfügungsgewalt über eine Sache hat zunächst nur der Eigentümer. Wird zum anderen die Nutzung des Smartphone von den Teamenden ignoriert, kann nicht von einem sinnvollen und professionellen Umgang mit dem „Problem" gesprochen werden. Die gezielte Integration der mobilen Endgeräte in die Programmgestaltung bietet dagegen viele Möglichkeiten und auch Vorteile sowohl für die Teilnehmenden als auch für die Teamenden.

Beispielsweise dient eine WhatsApp Gruppe dem schnellen Informationsaustausch. Gleichzeitig können sich Teilnehmende auf diese Weise schon vor Reisebeginn kennenlernen und der Verantwortliche hat die Möglichkeit, die Inhalte in der Gruppe zu kontrollieren. Die Rechtslage ist auch hier zu berücksichtigen (Stichwort: Recht am eigenen Bild). Des Weiteren bietet sich das Smartphone auch für Geo-Caching, Stopp-Motion-Videos, Schnitzeljagd und Fotowettbewerbe an.

 

Die gezielte pädagogische Integration der Geräte in den Programmalltag ist natürlich eine Herausforderung und für viele ein neues Aufgabenfeld. Zugleich sollte sie aber als ein wichtiger und zeitgemäßer Bestandteil von Kinder- und Jugendreisen betrachtet werden, da das Thema auch in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen wird. Und wie die Statistiken zeigen, findet trotz Smartphone in der Hand interaktive Kommunikation zwischen den Kindern und Jugendlichen statt.

 

Fazit

 

Die Ergebnisse der Online-Befragungen und die Impulse der Fachtagung haben eines gezeigt: Smartphones und die damit verbundene Nutzung von sozialen Medien bieten einerseits Herausforderungen und Gefahren, andererseits aber auch Chancen, Vorteile, Tipps und Möglichkeiten – und sie sind integraler Bestandteil im Leben vieler Kinder und Jugendlicher. Allein schon aus diesem Grund ist eine professionelle Auseinandersetzung in der pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen geboten.

Es liegt in der Hand der Veranstalter, eine eigene Haltung zu diesem komplexen Thema zu entwickeln, die ihrem Setting entspricht. Der Umgang mit Smartphones muss zur eigenen Philosophie und zum pädagogischen Selbstverständnis passen.  Wichtig ist, dass die Entscheidung für eine Haltung, eine besondere Art des Umgangs mit Smartphones und entsprechende Regularien nicht planlos sind, sondern Ergebnis einer bewussten Auseinandersetzung mit dem Thema.
Eigene Methoden zum sinnvollen Umgang mit Smartphones und Co. auf Kinder- und Jugendreisen müssen konzipiert oder durch den Austausch mit anderen Veranstaltern erarbeitet werden. Die Stärkung der Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen sollte in diesem Prozess das Ziel sein.

Mit der Anfang 2016 vorliegenden Handreichung möchte die Arbeitsgruppe, die sich in den vergangenen Monaten mit der Thematik auseinandersetzte, Veranstalter bei der Entwicklung einer eigenen Haltung unterstützen. Die hier geschilderten Eindrücke der Online-Befragungen und der Fachtagung sind dabei ein erster Schritt.

 

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